Start › Blog › Realistische TTR-Ziele
Kurz gesagt: Ein TTR-Ziel ist nichts anderes als eine Zahl an Siegen ueber der eigenen Gewinnerwartung. Teile dein Punkteziel durch deine Aenderungskonstante, dann steht diese Zahl da. Bei Konstante 16 kostet jeder Zielpunkt rund ein Sechzehntel Sieg: 50 Punkte sind gut drei Siege mehr, als das System von dir erwartet. Ob das realistisch ist, entscheidet sich an einer einzigen weiteren Groesse, naemlich der Zahl deiner erfassten Einzel.
Der Umrechnungsschluessel
Die TTR-Formel lautet: TTR neu = TTR alt plus AEK mal (Anzahl Siege minus Summe der Gewinnerwartungen). Stellt man sie nach dem gewuenschten Zuwachs um, ergibt sich eine sehr praktische Faustregel:
Noetiger Ueberschuss an Siegen = Punkteziel geteilt durch Aenderungskonstante.
Dabei ist "Ueberschuss" die Zahl der Siege, die ueber der Summe deiner Gewinnerwartungen liegt. Wie stark deine Konstante das Ziel verbilligt, zeigt die Tabelle:
| Punkteziel | AEK 16 | AEK 20 | AEK 24 | AEK 32 |
|---|---|---|---|---|
| +25 | 1,6 Siege | 1,3 | 1,0 | 0,8 |
| +50 | 3,1 Siege | 2,5 | 2,1 | 1,6 |
| +100 | 6,3 Siege | 5,0 | 4,2 | 3,1 |
| +150 | 9,4 Siege | 7,5 | 6,3 | 4,7 |
Die Zahlen sind erstaunlich klein. Genau das ist der Punkt: Es geht nicht darum, viel zu gewinnen, sondern darum, ein paar Spiele mehr zu gewinnen, als der Abstand zum Gegner hergibt. Ein einziger Sieg gegen einen Gegner 70 Punkte ueber dir bringt bei Konstante 16 schon rund 12 Punkte, ein Sieg gegen einen 70 Punkte schwaecheren Gegner dagegen nur etwa 4.
Schritt 1: Die Spielzahl festlegen
Punkte entstehen ausschliesslich aus erfassten Einzeln. Bevor du ein Ziel formulierst, zaehle also nach, wie viele Einzel realistisch zusammenkommen: Punktspiele der Vor- und Rueckrunde, geplante Turniere, Pokal. Wer 36 Einzel im Jahr spielt, hat ein voellig anderes Budget als jemand mit 12. Ein Ziel ohne Spielzahl laesst sich schlicht nicht pruefen.
Schritt 2: Das Ziel gegen die Saison rechnen
Ein Beispiel. Du stehst bei 1450, hast Konstante 16 und planst 36 Einzel: je zwoelf gegen Gegner mit 1380, 1450 und 1520. Die Summe deiner Gewinnerwartungen liegt damit bei genau 18,0 Siegen. Alles ueber 18 Siegen ist Zuwachs:
| Siege von 36 | Neuer TTR | Veraenderung |
|---|---|---|
| 16 | 1418 | -32 |
| 18 (Erwartung) | 1450 | 0 |
| 20 | 1482 | +32 |
| 21 | 1498 | +48 |
| 23 | 1530 | +80 |
Das Ziel "ueber 1500" bedeutet in dieser Saison also: 22 statt 18 Siege. Umgerechnet auf die Quote sind das 61 Prozent statt 50 Prozent. Machbar, aber nichts, was von allein passiert. Das Ziel "ueber 1600" waere dagegen unehrlich: dafuer braeuchte es 28 von 36 Siegen bei diesem Gegnerfeld.
Schritt 3: Die Obergrenze kennen
Jede Saison hat eine harte Decke. Im Beispiel oben wuerden selbst 36 Siege aus 36 Spielen nur auf 1738 fuehren, also plus 288 Punkte. Wer 400 Punkte in einer Runde plant, plant etwas, das mathematisch nicht existiert. Die Decke berechnest du in einem Schritt: Aenderungskonstante mal (Spielzahl minus Summe der Gewinnerwartungen). Liegt dein Ziel naeher als 40 Prozent an dieser Decke, ist es fast sicher zu hoch gegriffen.
Woran realistische Ziele trotzdem scheitern
- Zu leichtes Gegnerfeld. Wer nur gegen Schwaechere spielt, hat eine hohe Erwartungssumme und kaum Luft nach oben. Der Ueberschuss wird teuer erkauft.
- Zu wenige Spiele. Mit 12 Einzeln im Jahr ist ein Ziel von 100 Punkten bei Konstante 16 kaum zu halten, selbst bei starker Form.
- Ziel ohne Datum. Fuer Aufstellung und Punktegrenzen zaehlt nicht der TTR irgendwann, sondern der Q-TTR am Stichtag (11.2., 11.5., 11.8., 11.12.). Ein Ziel, das drei Wochen nach dem Stichtag erreicht wird, hilft fuer die Meldung nicht.
- Konstante falsch angesetzt. Jugendliche, Einsteiger unter 30 erfassten Einzeln und Rueckkehrer nach langer Pause rechnen mit hoeheren Werten bis maximal 32. Wer mit 16 plant, obwohl 24 gilt, unterschaetzt sein eigenes Potenzial deutlich.
Ein brauchbares Ziel in einem Satz
Formuliere es so: "Bis zum Stichtag am 11.12. spiele ich 22 Einzel gegen ein Feld auf meinem Niveau und will davon 14 gewinnen." Die Erwartung liegt bei elf Siegen, drei Siege mehr ergeben bei Konstante 16 genau plus 48 Punkte. Darin stecken Zeitpunkt, Spielzahl, Siegzahl und Punktwert. Jede dieser Groessen kannst du im Laufe der Runde nachhalten und korrigieren, statt am Ende nur festzustellen, dass es nicht gereicht hat. Wie du die Spiele ueber die Runde verteilst, steht ausfuehrlich unter Saisonplanung: TTR ueber die Runde steuern; die Stichtagsmechanik erklaert Q-TTR berechnen.
Haeufige Fragen
Wie viele TTR-Punkte kann man in einer Saison realistisch zulegen?
Bei Aenderungskonstante 16 und rund 36 Einzeln sind 30 bis 60 Punkte ein ambitioniertes, aber erreichbares Ziel. Dafuer musst du etwa zwei bis vier Spiele mehr gewinnen, als deine Gewinnerwartung vorgibt. Mit hoeherer Konstante geht im gleichen Zeitraum deutlich mehr.
Wie rechne ich ein TTR-Ziel in Siege um?
Teile das Punkteziel durch deine Aenderungskonstante. Das Ergebnis ist die Zahl der Siege, die du zusaetzlich zur Summe deiner Gewinnerwartungen brauchst. 50 Punkte bei Konstante 16 sind 50 geteilt durch 16, also rund 3,1 Siege ueber Erwartung.
Ist ein TTR-Ziel ohne feste Spielzahl sinnvoll?
Nein. Punkte entstehen nur aus erfassten Einzeln. Lege zuerst fest, wie viele Einzel du in Punktspielen und Turnieren spielst, und leite das Ziel daraus ab. Sonst laesst sich gar nicht pruefen, ob es machbar ist.
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