TTR vs Elo: die Unterschiede

Der TTR wird oft als "Elo fuer Tischtennis" beschrieben. Das stimmt im Kern, verschweigt aber vier Unterschiede, die im Alltag ueber deine Punkte entscheiden.

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Kurz gesagt: Der TTR benutzt dieselbe Grundidee wie Elo, rechnet aber mit dem Divisor 150 statt 400. Dadurch faellt die Gewinnerwartung viel schneller ab: 100 Punkte Rueckstand bedeuten im TTR rund 18 Prozent Siegchance, im klassischen Elo noch rund 36 Prozent. Dazu kommen drei weitere Unterschiede: kein Remis, eine andere Konstante und die gebuendelte Auswertung ganzer Spielserien.

Die gemeinsame Grundidee

Beide Systeme stellen dieselbe Frage: Wie viele Punkte waren von dir zu erwarten, und wie viele hast du geholt? Die Differenz wird mit einer Konstante multipliziert und auf deinen alten Wert addiert. Im TTR sieht das so aus:

TTR_neu = TTR_alt + AEK * (Anzahl Siege minus Summe der Gewinnerwartungen)

Elo verwendet dieselbe Struktur mit dem K-Faktor an der Stelle der Aenderungskonstante. Wer eines der beiden Systeme verstanden hat, versteht auch das andere. Interessant wird es erst bei den Stellschrauben.

Unterschied 1: der Divisor 150 statt 400

Die Gewinnerwartung im TTR lautet P = 1 / (1 + 10^((TTR_Gegner - TTR_Spieler) / 150)). Klassisches Elo setzt an dieselbe Stelle 400. Diese eine Zahl macht den groessten Unterschied aus:

Rueckstand auf den GegnerGewinnerwartung TTR (150)Gewinnerwartung Elo (400)
0 Punkte50,0 Prozent50,0 Prozent
50 Punkte31,7 Prozent42,9 Prozent
100 Punkte17,7 Prozent36,0 Prozent
150 Punkte9,1 Prozent29,7 Prozent
200 Punkte4,4 Prozent24,0 Prozent
300 Punkte1,0 Prozent15,1 Prozent

Praktische Folge: Im Tischtennis ist ein Abstand von 200 Punkten fast eine Entscheidung, im Schach ist er eine Hausnummer. Deshalb darfst du TTR-Zahlen nie mit Elo-Zahlen gleichsetzen, auch wenn beide im Bereich 1000 bis 2500 liegen. Wie stark sich Abstaende auf deine Punkte auswirken, steht ausfuehrlich unter Gewinnerwartung im Tischtennis verstehen.

Unterschied 2: kein Remis

Elo stammt aus dem Schach und kennt drei Ergebnisse: 1, 0,5 und 0. Tischtennis kennt nur Sieg oder Niederlage. Im TTR gibt es deshalb ausschliesslich 1 und 0. Das klingt banal, hat aber eine Konsequenz: Der Ausgleichseffekt des Remis fehlt. Jedes einzelne Spiel bewegt deinen Wert in die eine oder andere Richtung, nie dazwischen.

Unterschied 3: Konstante statt K-Faktor

Der Elo-K-Faktor liegt je nach Verband und Spielstaerke typischerweise zwischen 10 und 40 und sinkt oft mit steigender Wertungszahl. Die TTR-Aenderungskonstante folgt einer anderen Logik: Grundwert 16, mit Zuschlaegen fuer junge Spieler, wenige erfasste Einzel und Rueckkehr nach Inaktivitaet, gedeckelt bei maximal 32. Sie haengt also am Spielerprofil, nicht an der Hoehe des Wertes. Details dazu im Artikel Die Aenderungskonstante einfach erklaert.

Unterschied 4: Serien statt Einzelpartien

Klassisches Elo rechnet Partie fuer Partie, dein Wert aendert sich also zwischendurch. Der TTR wertet eine ganze Spielserie mit dem Ausgangswert aus: Alle Gewinnerwartungen werden mit deinem TTR vor der Veranstaltung gebildet und aufsummiert. Ein Sieg in Runde eins macht dich fuer Runde zwei rechnerisch nicht staerker. Das ist fair, weil die Reihenfolge der Spiele keine Rolle spielt, und es macht Turniere planbar.

Rechenbeispiel: derselbe Tag, zwei Systeme

Du hast 1500 und spielst dreimal gegen Gegner mit 1600. Du gewinnst eines dieser drei Spiele.

  • TTR (AEK 16): Gewinnerwartung je Spiel 0,177, Summe 0,53. Du holst 1 Sieg, also 16 * (1 - 0,53) = plus 7 Punkte. Neuer Wert: 1507.
  • Elo (K 20): Gewinnerwartung je Partie 0,360, Summe 1,08. Du holst 1 Punkt, also 20 * (1 - 1,08) = minus 1,6 Punkte. Neuer Wert: rund 1498.

Derselbe Tag, dasselbe Ergebnis, zwei Vorzeichen. Weil der TTR den Abstand von 100 Punkten viel ernster nimmt, gilt ein Sieg aus drei Versuchen dort bereits als Ueberleistung. Im Elo-System war ein Sieg schlicht das Erwartbare. Genau dieser Effekt macht es im Tischtennis so lohnend, gegen etwas staerkere Gegner anzutreten.

Eigene Spiele im TTR-Rechner durchrechnen

Was du dir merken solltest

  • Gleiche Formelstruktur, andere Parameter: der Vergleich der Systeme hilft beim Verstaendnis, der Vergleich der Zahlen fuehrt in die Irre.
  • Im TTR sind 100 Punkte Abstand bereits ein deutliches Gefaelle.
  • Ueberraschungssiege werden im TTR staerker belohnt, Ausrutscher gegen Schwaechere staerker bestraft.
  • Fuer die Aufstellung zaehlt ohnehin nicht der TTR, sondern der zu den Stichtagen 11.2., 11.5., 11.8. und 11.12. eingefrorene Q-TTR.

Haeufige Fragen

Ist der TTR ein Elo-System?

Der TTR benutzt dieselbe Grundidee wie Elo: erwartete Punkte gegen tatsaechliche Punkte, multipliziert mit einer Konstante. Er ist aber kein klassisches Elo, weil er mit Divisor 150 statt 400 rechnet, kein Remis kennt und ganze Spielserien gemeinsam auswertet.

Warum rechnet der TTR mit 150 und Elo mit 400?

Der Divisor legt fest, wie stark ein Punktabstand die Gewinnerwartung veraendert. Mit 150 gilt ein Rueckstand von 100 Punkten im Tischtennis als deutlich groesser als im Schach: die Gewinnerwartung faellt auf rund 18 Prozent statt auf rund 36 Prozent.

Kann man TTR-Werte und Elo-Zahlen direkt vergleichen?

Nein. Beide Skalen liegen zwar im aehnlichen Zahlenbereich, bedeuten aber Verschiedenes. Ein Abstand von 200 Punkten entspricht im TTR rund 4 Prozent Gewinnerwartung, im Schach-Elo rund 24 Prozent.

Gilt der Unterschied auch fuer den Q-TTR?

Ja, denn der Q-TTR ist kein eigenes Rechenverfahren, sondern nur der zum Stichtag eingefrorene TTR-Stand. Er erbt alle Eigenschaften der TTR-Formel.

Weiter: TTR Punkte verstehen und Tischtennis-Rating-Lexikon.